Zuerst einmal wünschen wir euch ein glückliches neues Jahr und hoffen, dass ihr gut ins 2013 gerutscht seid! Bei uns war der Start ins neue Jahr etwas durchzogen. In der 1. Januarwoche hat uns eine Infektion mit Fieber erwischt, von welcher wir uns sehr schlecht erholen. Zwar hat die Einnahme von Antibiotika den Durchfall gestoppt, jedoch nicht die anderen Symptome wie Bauchschmerzen, leichtes Fieber, Übelkeit und totale Abgeschlagenheit. Auch die rot-gelbliche Verfärbung unserer Augen und die Ergebnisse des Bluttests machen uns etwas Sorgen. Da das Reisen in diesem Zustand sehr anstrengend ist haben wir beschlossen, noch wie geplant nach Mumbai zu fahren und von dort  nach Thailand weiter zu reisen. In Bangkok werden wir uns erstmal ohne weiteres Reiseprogramm in ärztliche Behandlung begeben und versuchen, uns zu erholen.

Die Fahrt von Anjuna nach Mumbai haben wir mit der Bahn zurück gelegt. Die 12 Stunden in der Sleeper Class waren zwar lang, aber doch angenehmer als wir es uns vorgestellt hatten. Wir haben unser Abteil mit einer indischen Familie geteilt, die sich liebenswürdig um uns gekümmert und uns regelmässig mit Essen und Getränken versorgt hat. Kurz nach 22:00 Uhr haben wir Mumbai erreicht und sind nach einer erfrischenden Dusche (es hatte kein Warmwasser mehr) gleich in tiefen Schlaf versunken.

An unserem 1. Tag in Mumbai haben wir die Sehenswürdigkeiten in der unmittelbaren Umgebung von Colaba, dem touristischen Zentrum Mumbais, besucht. Als erstes sahen wir uns das Gateway of India an, von wo aus im Jahre 1948 die letzten britischen Tuppen das unabhängig gewordene Land verlassen haben. Gleich hinter dem Gateway befindet sich das Hotel Taj Mahal Palace. Dieses eindrückliche Gebäude gilt als eine der nobelsten Adressen der Stadt und beherbergte schon viele bekannte Persönlichkeiten. In Colaba befindet sich übrigens auch das berühmte Leopold Cafe. Denjenigen, die den Bestseller “Shantaram” von Gregory David Roberts gelesen haben, wird dieser Name ein Begriff sein.

Am 2. Tag haben wir uns für eine Tour nach Dharavi entschieden. Dharavi gilt als einer der grössten Slums in Asien und liegt im Herzen von Mumbai. Auf einer Fläche von rund 2 km² leben hier nach Schätzungen ca. 600’000 bis 1 Million Menschen. Seit 2006 bieten verschiedene Guides, die selbst in Dharavi wohnen, Führungen durch den Slum an. Mohammed, unser Guide an diesem Tag, hat uns durch ein Labyrinth aus engen, dunkeln Gassen geführt. Die “Wohnungen”, die wir gesehen haben, bestehen meist aus einem kleinen Raum, in dem die ganze Familie lebt – oftmals 5-10 Personen oder noch mehr. Über Toiletten verfügen die meisten Hütten nicht. Im Schnitt kommt hier auf 1’500 Menschen eine öffentliche Toilette. Auf der kleinen Fläche des Slums sind tausende “Minifabriken” zu finden, die damit beschäftigt sind, Abfallstoffe in der ganzen Stadt zu sammeln und zum Recyclen nach Dharavi zu bringen. So werden Aluminiumdosen eingeschmolzen, Seifenreste von Hotels in grossen Behältern wiederverwertet, Ölbehälter restauriert und altes Plastik in neue Formen gegossen. Auch unzählige Töpfereien, Leder- und Kleiderfabriken haben ihren Sitz in Dharavi.

Weiter führte uns die Tour zu den Dhobi Ghats, einer riesigen Outdoor Wäscherei. Rund 10’000 Menschen waschen hier jeden Tag die Wäsche von privaten Auftraggebern, aber auch aus Hotels, Spitälern und Schulen. Der Waschprozess ist in verschiedene Schritte aufgeteilt: abholen der Wäsche beim Auftraggeber, Markierung der Stücke, um sie später wieder zuordnen zu können, einweichen, waschen und auf dem im Waschbecken eingelassenen Stein schlagen, spülen, trocknen und wieder ausliefern. Gearbeitet wird hier rund 14 Stunden pro Tag und das an 7 Tagen pro Woche. Diese Leute erhalten für die harte Arbeit ein Einkommen von knapp CHF 3.00 pro Tag… In den Blechhütten rund um die steinernen Waschbecken herum leben die Arbeiter mit ihren Familien. Hier teilen sich 15-20 Personen eine Hütte. Als wir ankommen, sind die meisten bei der Arbeit. Ein Mann spielt mit einem Kind, jemand sitzt zwischen den Waschbecken und trinkt Tee, ein anderer steht in der Unterwäsche in einem leeren Waschbecken und duscht sich. Das Leben läuft hier in seinen gewohnten Bahnen, unter den Augen der vielen Touristen, die jeden Tag hier vorbeikommen um Zeuge dieses Spektakels zu werden, das für die Menschen hier den Alltag darstellt.

Für uns waren die Stunden, die wir mit Mohammed in Dharavi und an den Dhobi Ghats verbracht haben unvergesslich. Erschreckend waren für uns die Umstände, in denen die Menschen leben, der Abfall und der Dreck, der allgegenwärtig ist, der Gestank, der einem plötzlich entgegen schlägt wenn man um die nächste Ecke biegt. Eindrücklich war die Offenheit und Freundlichkeit, mit welcher uns die Menschen in Dharavi begegnet sind. Schön war das unbeschwerte Lachen der Kinder, wenn sie uns zuwinkten oder sogar freudig schreiend um uns herum tanzten. Es ist schwierig in Worte zu fassen was wir empfinden. Aber einmal mehr bestärkt dieser Besuch uns darin, die Augen zu öffnen und Dinge in unserem Leben zu verändern.

Nun geht unsere Reise weiter nach Bangkok. Einerseits sind wir traurig, Indien bereits wieder zu verlassen. Andererseits sind wir dankbar für die Zeit, die wir hier hatten und die Erfahrungen & Begegnungen, die wir in diesem Land machen durften.

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