Nach so langer Zeit im ruhigen Pokhara und auf der Trekkingtour, weit abseits von Lärm und Verkehr, müssen wir uns erst an die hektische Hauptstadt Nepals gewöhnen. Bei unserer Ankunft in Kathmandu wird gerade das Dashain-Festival gefeiert. Dashain ist das grösste und längste Fest im Jahr und dauert 10 Tage. Am 8. & 9. Tag finden in der ganzen Stadt öffentliche Opferungen von Büffeln, Ziegen, Enten und Hühnern statt. Das Blut der Tiere wird über die Fahrzeuge gespritzt um diese vor Unfällen zu schützen. Die Bilder, die sich uns an diesen Tagen bieten, sind nicht so leicht zu verdauen.

Kathmandu bietet aber auch eine ganze Reihe von Sehenswürdigkeiten. So zum Beispiel die Stupa von Boudhanath, die zu den weltweit grössten Bauwerken ihrer Art gehört und als wichtigste tibetische Stupa ausserhalb Tibets gilt. In der Umgebung dieser Stupa wurden mit ausländischer Hilfe viele Klöster wieder aufgebaut, die in Tibet von chinesischen Truppen zerstört worden sind. Boudhanath ist das spirituelle Zentrum der Exiltibeter in Nepal. Die Atmosphäre in diesem Quartier empfinden wir als sehr ruhig und friedlich. Im Vergleich zu anderen Stadtteilen wirkt hier alles sehr sauber, gepflegt. Wir fühlen uns wohl und vergessen an diesem Tag beinahe, dass wir uns mitten im quirligen und auch etwas chaotischen Kathmandu befinden.

Am nächsten Tag besuchen wir Nepals heiligsten hinduistischen Pilgerort “Pashupatinath”. Unzählige Menschen aus Nepal und Indien pilgern zu diesem Ort um zu beten, Opfer zu bringen und auch um hier zu sterben. Im hinduistischen Glauben ist der Bagmati, der Fluss der durch diese Anlage fliesst, heilig. Hier zu sterben und verbrannt zu werden ist der höchste aller religiösen Verdienste und soll die Befreiung aus dem Zyklus der Wiedergeburten zur Folge haben. Den Tempel dürfen wir nicht betreten, da er nur für Hindus zugänglich ist. Die Ghats (Treppen, die zum Fluss führen) sind auch für Touristen geöffnet und bieten freien Blick auf die Verbrennungsstätten am gegenüberliegenden Flussufer. Als wir eintreffen sind 3 Verbrennungsstätten in Betrieb. Jemand liegt, auf eine Bahre gebettet, auf den Treppen unten am Fluss. Eine Frau erklärt uns, dass die Menschen in ihrer Todesstunde ans Ufer des Bagmati gelegt werden und einen letzten Schluck heiliges Wasser erhalten. Wenn sie verstorben sind, wird ihr Körper verbrannt und die Asche anschliessend dem Fluss übergeben. Die Eindrücke, der Geruch und die Stimmung an diesem Ort sind kaum in Worte zu fassen. Die Stichworte “fremd, anders, aber auch ruhig, friedlich und mitfühlend” treffen es wohl am besten.

Auch das touristische Zentrum von Kathmandu, Thamel, haben wir besucht. Es erinnert uns ein bisschen an die Khao San Road in Bangkok – viele Touristen, Guesthouses, Restaurants, Bäckereien und Souvenir-Läden. Etwas abseits sieht das Strassenbild jedoch ganz anders aus. Staub, Müll und eine unglaubliche Armut prägen die Stadt. Nepal befand sich von 1996 bis 2006 in einem Bürgerkrieg, welchem rund 17’000 Menschen zum Opfer fielen, und gehört heute zu den ärmsten Ländern der Welt – was für uns auch deutlich spür- und sichtbar ist.

Nun neigt sich unsere Zeit in Nepal langsam dem Ende zu und in wenigen Tagen reisen wir weiter nach Indien. Wir freuen uns darauf und sind gespannt, was uns erwartet… 🙂

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