Aller Anfang ist schwer, so auch unser Start in China. Wir sind am Sonntag Abend um 17:30 Uhr in Peking gelandet, mit einemTaxi zum Hostel gefahren und haben eingecheckt. Bis dahin ging alles gut. Da es draussen noch hell war, wollten wir nur kurz raus und die Umgebung anschauen. Wir wussten, dass sich ganz in der Nähe die verbotene Stadt befindet und wollten einen ersten Blick darauf werfen. So vernachlässigten wir es, uns mit mehr Infos zu versorgen und stürzten uns einfach mal ins Getümmel.

Auf dem Weg zur verbotenen Stadt kam ein chinesisches Paar auf uns zu und fragte, ob wir Englisch sprechen. Wir antworteten mit ja und wurden sofort in ein Gespräch verwickelt. Da wir im Verlauf unserer Reise bereits etliche Male von Einheimischen angesprochen worden waren, machten wir uns auch hier keine weiteren Gedanken darüber. Nach etwa 5 Minuten machten die beiden Chinesen den Vorschlag, wir könnten zusammen Tee trinken gehen und uns noch ein bisschen weiter unterhalten. Da wir nichts wichtigeres vor hatten, willigten wir ein und freuten uns, mehr über die chinesische Kultur zu erfahren. Im Tee Haus, gleich um die Ecke, erhielten wir ein eigenes Zimmer zugewiesen und wurden aufgefordert, von jeder Teesorte ein Tässchen zu probieren. Nach rund 20 minütiger Degustation bestellte jeder die Teesorte, die ihm am besten geschmeckt hatte und dazu etwas zu Essen. Bis dahin hatten wir es ganz lustig, plauderten über dieses und jenes und erzählten einander von unseren Ländern und Kulturen. Als es dann um die Bezahlung ging, hatte der Spass ein jähes Ende. Die Rechnung belief sich auf umgerechnet CHF 400 und die beiden Chinesen machten keine Anstalten zu bezahlen. Der reale Wert dessen, was wir konsumiert hatten, schätzten wir auf höchstens CHF 30. Wir waren beide total überrumpelt und fragten, ob das denn möglich sei. Daraufhin standen wenige Sekunden später 3 weitere Personen im Raum und begannen uns unter Druck zu setzen. Sie sagten wir hätten ja schliesslich konsumiert, jetzt sollen wir auch bezahlen. Da wir uns sehr bedrängt fühlten und nicht abschätzen konnten wie weit diese Leute gehen würden, bezahlten wir den geforderten Betrag mit Kreditkarte und verliessen das Lokal.

Nach einer schlaflosen Nacht haben wir am nächsten Morgen an der Reception erzählt was uns passiert ist und gefragt, was wir tun können. Der Chef des Hostels war ebenfalls im Raum und verständigte ohne Umschweife die Polizei. Keine 10 Minuten später sassen wir mit einem chinesisch sprechenden Russen, den uns der Chef des Hostels als Übersetzer zur Seite gestellt hatte, im Polizeiauto und fuhren zum Tee Haus zurück. Dort angekommen, wurden von der Polizei das Kassenbuch und die Kreditkartenleser konfisziert und die Chefin des Tee Hauses zur Polizeiwache bestellt. Nach einer Stunde tauchte sie schliesslich auf, wurde in ein Zimmer zum Gespräch gebeten und kam eine weitere Stunde später zu uns in den Warteraum zurück, um über den Preis zu verhandeln, den sie uns zurückzahlen sollte. Der Russe, der uns die ganze Zeit über nicht von der Seite gewichen war, verhandelte knapp und bestimmt mit der Frau. Nach wenigen Minuten hatten wir den grössten Teil des am Vorabend bezahlten Betrages zurück. Somit war die ganze Tee-Geschichte immer noch teuer und ärgerlich, aber immerhin so, dass wir es verkraften konnten.

Diese Art von Betrug scheint hier in Peking weit verbreitet zu sein. In der Zwischenzeit wissen wir, dass man nicht mit chinesischen “Studenten” Tee trinken darf, nicht in Kunstgalerien mitgehen und sich auch nicht zu einer gemeinsamen Stadtbesichtigung überreden lassen sollte, da hinter all dem der Gedanke der Abzocke steckt.

Nach diesem rasanten Start hier in Peking haben wir heute einfach mal nur die Umgebung besichtigt, gut gegessen und Kaffee getrunken – alleine. 😉 In den nächsten Tagen werden wir die grosse Mauer und einige andere Sehenswürdigkeiten besichtigen. Bilder & Bericht folgen…

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